Willkommen im Jahr 2020 – Alles wird anders?

Man hatte es schon gemerkt, es gab bei mir keine (obligatorischen) Weihnachts- oder Neujahrsgrüße auf den Webseiten oder in den sozialen Medien. Nun aber ein Willkommen im neuen Jahr(-zehnt), mit Ausführungen zu Änderungen bei mir.

Im letzten Jahr – es hatten mehrere potentielle Mandanten bereits in Anfragen gemerkt – war ich längere Zeit krank und bin über Monate ausgefallen. Zusätzlich eingespannt durch mehrere (wirtschafts-)strafrechtliche Umfangsverfahren merkte ich, dass der bisherige Verlauf mich nicht mehr glücklich machte. Insbesondere waren meine Tätigkeitsfelder inzwischen zu stark „ausgefranst“, zu viele allgemeine Tätigkeiten blockierten mich und es war nirgendwo mehr Zeit. Die insgesamt gut und auch wirtschaftlich stark aufgestellte Kanzlei forderte halt irgendwann einfach zu viele Ressourcen, die mich von dem abhielten, was mir Freude bereitet.

Unerfreuliche Entwicklungen

Das Stichwort „Freude“ soll nicht zu kurz kommen, denn mit etwas, was mich zuerst nur belastete und dann sprichwörtlich krank machte war der Umgang mit mir und meiner Person: Undankbarkeit, Unverschämtheit und Aggression fasst am besten zusammen, was ich mir teilweise bieten lassen musste. Man mag sich vorstellen, dass man sich mit einem Kaffee morgens an seine Mails setzt und von einem wildfremden Menschen, den man nicht kennt, eine Mail bekommt, in der über mehrere Seiten regelrechte Hasstiraden ausgeschüttet werden, Beileidsbekundungen für hiesige Mandanten ausgesprochen werden und mitgeteilt wird, man sei – ich zitiere! – „weniger als ein Mensch, nicht mal Wert zu atmen“. Anlass für diese eine Mail war im Übrigen ein Artikel auf meiner Webseite, in dem ich etwas zu allgemeiner Dogmatik ausgeführt habe (nichts besonderes, findet sich in jedem Handkommentar) und was dem Leser einfach nicht gefiel.

Wer das bereits abstrus findet, der mag sich nun noch vor Augen halten, dass ich diese Art Mails mehrere dutzend Male im Jahr 2019 erhalten habe. Einfach so, ohne Anlass, von wildfremden Menschen. Es ist anstrengend, sich von so etwas nicht zeichnen zu lassen. Ich lasse die übrigen Frechheiten aussen vor, etwa dass wir inzwischen regelmässig (teilweise in Fäkalsprache am Telefon) beschimpft werden, wenn wir uns weigern, kostenlos zu arbeiten. Es war viel Arbeit nötig, um sich hiervon wieder frei zu machen und wieder zurück zu mir und den für mich wichtigen Fragen zu finden.

Wieder stärker Fokussiert – mit klaren Tätigkeiten

Ich habe mir Zeit genommen und viele Gedanken gemacht, wie und womit ich weiter arbeiten möchte. Dazu gehörte das Formulieren von „Kanzleiwerten“, an denen sich das Büro in der Arbeitsweise, aber eben auch die Anwälte persönlich orientieren und die repräsentieren, wofür wir stehen, was uns wichtig ist und irgendwo auch ein bisschen unterscheidet. Lustigerweise erschien bei T3N zum Jahreswechsel ein Beitrag, der all dies etwas professioneller zusammenfasst, ich kann gerade Selbstständigen und Inhabern kleinerer KMU nur nahelegen, es zu lesen und sich damit zu beschäftigen. Gerade das bewusste Formulieren von Unternehmenswerten – und nicht nur unbewusste Leben derselben – führt zu interessanter Reflexion. Unsere eigenen Werte habe ich im Übrigen hier niedergeschrieben.

Nunmehr bin ich wieder, im normalen zeitlichen Umfang, tätig – allerdings seit diesem Jahr wieder mit klaren Tätigkeiten, eindeutig konzentriert auf das IT-Recht, Medienrecht und die Strafverteidigung. Das wird sich auch bei meinen schreibenden Aktivitäten zeigen: Mein Cybercrime-Blog ist überraschend stark gewachsen und wird in diesem Jahr einen Schwerpunkt bilden, daneben werde ich mich wieder eindeutig auf meine Expertise im Softwarerecht konzentrieren.

Schwerpunkt 2020: KI

Es tut sich etwas bei mir – und wer überrascht war, warum ich bisher so wenig dazu geschrieben habe, dem kann ich nun sagen: Weil ich erst das Thema „Künstliche Intelligenz“ noch in praktischer technischer Hinsicht vertiefen musste. Es war mir immer wichtig, nicht nur als Jurist an IT-Themen heran zu gehen, sondern eben auch als Entwickler. Vor dem Hintergrund war es für mich absolut undenkbar, ernsthaft etwas zu Rechtsfragen der KI zu schreiben, wenn ich nicht die technischen Hintergründe – zumindest als Basics – mitbringe.

Dabei begleitet mich gerade das Thema neuronale Netzwerke seit langer Zeit – bereits Ende der 90er habe ich mir die damaligen theoretischen Grundlagen dazu angeeignet; die gesamte Entwicklung habe ich durchweg mitverfolgt und nachvollzogen – aber eben auf theoretischer Ebene. Letztes Jahr habe ich dann in einem ersten Schritt meine rudimentären Basis-Kenntnisse in Python vertieft. Einer Programmiersprache, die ich Mitte der 90er, bei meinen ersten Gehversuchen in Linux aus reiner Neugierde kennen lernte und von der ich dachte, sie niemals ernsthaft zu benutzen (wer sich auf dem Mac dafür interessiert – über Homebrew geht es am einfachsten; ansonsten einfach eine virtuelle Maschine mit Linux anlegen 😉 ). Nachdem dies dann halbwegs brauchbar war, habe ich angefangen einfache Algorithmen unter Rückgriff auf http://pybrain.org zu entwickeln. Alles nur vor dem Hintergrund, genügend technisches Wissen umzusetzen, um die dahinter stehenden juristischen Fragen mit dem richtigen Blickwinkel zu sehen. Gut, ein bisschen Spass mag auch dabei gewesen sein.

Nachdem die Thematik KI bei mir zumindest soweit technisch verstanden wurde, dass ich eigene einfachste Aufgabenstellungen umsetzen konnte (siehe zB bei eigenem Interesse den Kurs hier), habe ich angefangen Artikel zum Thema Rechtsfragen der KI vorzubereiten, die inzwischen recht weit gediehen sind. Für das Jahr 2020 darf ich insoweit schon jetzt eine Artikelreihe ankündigen, die sich Basics zu den Kategorien Haftung, Rechtsschutz/Urheberrecht, Datenschutz und Arbeitsrecht widmet.

Artikel zum Softwarerecht

Was bei mir definitiv zu kurz kam, waren inhaltsvolle aktuelle Beiträge zum Softwarerecht. Das wird sich nun wieder ändern, insbesondere in den Bereichen Haftung, Vertragstypologie, Reverse Engineering und Opensource-Software erscheinenim ersten Quartal 2020 erste Beiträge.

Weniger Datenschutz, mehr Cybercrime & Cybersicherheit

Um das vorab klar zu stellen: Das Thema Datenschutzrecht fasziniert mich weiterhin. Allerdings habe ich schon vor einiger Zeit das Interesse daran verloren, mich dem Thema als alleinigem Thema zu widmen. Mich interessiert der Datenschutz vor allem in seinen Einflüssen im Softwarerecht (dazu habe ich gestern die erste Fassung eines Beitrags fertig gestellt, den ich hoffe in Kürze veröffentlichen zu können) und in seinen Bezügen zum Medienrecht. Dafür möchte ich lieber mehr Zeit den Themen Cybersicherheit und Cybercrime widmen, die mich sowohl als ITler wie auch als Strafverteidiger ansprechen.

Änderungen in der Kanzlei

Unsere Kanzlei – ich bin ja nun nicht alleine! – wird sich ebenfalls verändern. Sowohl was ihre Ausgestaltung als auch die Größe angeht. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte wird dies angegangen werden, für unsere Mandanten ändert sich ohnehin nichts, es ist aber schön, schon jetzt (endlich) die Entwicklungen an dieser Stelle zu sehen.

Technologie im Fokus

Man merkt es an dieser Seite: Ich widme mich wieder verstärkt der Technologie und dem Technologierecht, die Strafverteidigung bleibt selbstredend meine zweite Kerntätigkeit. Anders herum ziehe ich mich aus dem Verbraucherrecht, allgemeinen Zivilrecht (Ausnahme Werkvertrag, da ich seit Jahren Handwerker berate und die nicht im Stich lassen möchte) und sonstigen Tätigkeiten zurück – wobei das Arbeitsrecht weiterhin von mir bearbeitet wird, insbesondere im Bereich IT-Arbeitsrecht & Arbeitnehmerdatenschutz. Ich hoffe auf Verständnis, wenn ich vor dem Hintergrund andere Tätigkeiten absage.

Ich werde wieder verstärkt online schreiben, wobei die Kanzleiseite unter Ferner-Alsdorf bestehen bleibt. Meine hier bestehende Techlawyer-Seite erhält nur ausgewählte Artikel und soll mir selber ein wenig helfen, den Fokus zu behalten, zugleich bietet sie Lesern die Möglichkeit, konzentriert nur meinen Beiträge im Bereich IT-/Technologierecht/Medienrecht zu folgen, während im Kanzleiblog insbesondere noch allgemeines Arbeitsrecht und Strafrecht mit einfliessen.

In dem Sinne wünsche ich allen einen guten Start in ein neues Jahr(-zehnt). Mit meinen Zeilen wollte ich dabei nicht nur einen inhaltlichen Ausblick zu meiner Arbeit geben, sondern auch denen etwas Zuspruch geben, die unzufrieden(er) sind – nach meiner Wahrnehmung ist diese Quote gerade stark ansteigend, auch und vor allem unter Juristen. Manchmal ist es gut, sich auf das zu besinnen, was einem wichtig ist.